Rudern auf dem Aurajoki

Nach einer Reise zum Ursprung des Aurajokimin Oripää, führte uns der Wasserlauf bis ganz zu seinem Ende im Hafen von Turku, wo das Flusswasser sich mit den salzigen Fluten des Archipelmeers der Ostsee verbindet. Die ruhigen Gewässer zwischen vielen Inseln laden Heimische und Gäste gleichermaßen zum Gleiten über die Wellen ein. Segel- und Motorschiffe sowie Kanus und Schwimmende genießen in der Hitze des Sommers die Abkühlung durch Wasser und Wind. So suchten auch wir die Gelegenheit, die Verbindungsstelle zwischen Ostsee und Aurajoki hautnah zu erfahren.

In Begleitung der professionellen Rudersportlerin Helen Partti ging es in den Außenbereich von Turku, zum Kajak-Verein Saaristomeren Melojat. Helen selbst bot uns Unterstützung bei der Vermittlung mit dem Verein, lehnte jedoch lächelnd das Angebot des Ruderns ab. Diese Erfahrung erlebte sie bereits oft genug im eigenen Alltag, daher bestand sie darauf, dass wir sie ohne die Profi machten.

Am Ufer des Archipels glitzerte die Sonne auf den ruhigen Wellen. Der lange Holzsteg lud verlockend zum Eintauchen in das Wasser ein. Daneben lag bereits das fünfsitzige Boot mit langen Rudern bereit, auch wenn unser junger, studentischer Guide noch etwas auf sich warten ließ. Nach einer kurzen Einführung, wie wir uns mit vier rudernden Personen orientieren und das Ruderboot lenken können, ging die Reise dann endlich los – doch schon das Einsteigen gestaltete sich als gar nicht so einfach. Das Wasser zeigte sich zwar ruhig und geduldig, das Gleichgewicht mit fünf Personen gleichzeitig musste jedoch zunächst erprobt werden.

Angeleitet von einem ambitionierten jungen Mann, dessen Leidenschaft für das Wassergefährt ihn bald, laut eigener Aussage, Richtung Olympia treiben wird, ruderten wir los. Schnell zeigte sich – Haltung ist der Schlüssel! Das Wasser an unseren Rudern bot kräftigen Widerstand und jeder Zug musste nicht nur im Takt mit allen abgestimmt werden, sondern erforderte auch Muskelkraft der Beine. Wer mit den Armen ruderte, wurde schnell müde. Dank festgeschnallter Schuhe und nach hinten fahrenden Sitzplätzen auf Schienen bewältigten wird unsere ersten Meter – und waren ganz erstaunt, wie schnell die wenigen Bewegungen uns über das Wasser gleiten ließen. Zunächst schien es sich gegen uns zu wehren, ließ uns keine gerade Linie fahren und klatschte spritzend gegen die flache Seite der Ruder. Aus Unsicherheit im Lenken und Gewöhnen an das penibel getaktete vor- und zurück, wurde dann schnell ein meditatives Rudern und Genießen des Erlebnisses. Das Ufer Uittamo präsentierte sich mit weitläufigen Wäldern, imposanten Gebäuden, Vogelschwärmen und vielen kleinen Holzstegen, an denen Boote auf weitere Besucher des Archipels warteten. Das Schwappen des Wassers gegen Holz und das Surren der sich bewegenden Sitze füllte die Luft. Viel geredet wurde nicht – musste auch gar nicht, denn jeder genoss den Moment oder konzentrierte sich darauf, bloß nicht wieder zu tief mit dem Ruder durch die Oberfläche einzutauchen, damit die Kraft des Wassers einen nicht übermannte und vom Kurs abbrachte.

Durch die Mündung Pitkäsalmi Långvattnet erreichten wir schließlich den Hafen von Turku und damit unseren Eingang in den Aurajoki. Begleitet wurden wir von interessierten Blicken, denn gerne schauten uns die Menschen am Ufer beim Rudern zu. Auch wenn ein Ruderboot kein seltener Anblick im Hafen war, so schienen die Bewohner und Besucher doch gerne dieser Einheit von Menschen und Fluss nachzuschauen. Vielleicht sahen wir Anfänger auch einfach sehr amüsant beim unserem ersten Ruderversuch aus.

Vorbei am Forum Marinum, an den großen Museumsschiffen und den kreativ benannten Motorbooten, pflügten wir unseren Weg durch das Wasser bis zu den breiten Pfeilern der Straßenbrücke Aninkaistenkatu. Dort stellten wir fest – langsam geht uns die Kraft aus! Nach 45 Minuten Rudern meldeten sich die Muskeln in unseren Beinen, klagten über die Anstrengung dieser neuen Bewegungsart. Der Weg zurück stand nun an, doch dieser sollte sehr viel einfacher verlaufen. Der Fluss war auf unserer Seite, wortwörtlich, denn nun fuhren wir mit dem Strom, der uns Geschwindigkeit gewinnen ließ. Es zeigte sich, wie sehr die Schifffahrt von den Kräften und auch Launen des Wassers abhängig sind und wie viel einfacher die Fahrt darauf sein kann, wenn man zu einem gemeinsamen Ziel fließt.

Als der lange Holzsteg vom Kajakverein in Sichtweite kam, machte sich Erleichterung zwischen uns breit. Wie sehr wir die Aussicht und die Fahrt auch genossen hatten…war das anstrengend! Das Boot war mir der schnittigen Bauweise und dem glatten Holz perfekt gebaut für ein Gleiten im Archipel, doch wir Unerfahrenen leider nicht. Nach erfolgreichem Parken des Bootes, suchten wir eine letzte Abkühlung im Wasser für unsere beanspruchten Beine, dann ging es zurück nach Turku. 15 km haben wir das Archipel und den Aurajoki begleitet sowie eine neue Perspektive und sehr viel Respekt vor der Kraft gewonnen, die in diesem Wasser steckt.